Kurze Eigendarstellung der Einzelnen Wärmeversorgungsunternehmungen

2.1 Fernwärme Wien GmbH (FWW)


Der Zuwachs an Abnehmern

Der Zuwachs bei Wohnungen

Seit dem Jahr 1969 nahm die Zahl der Abnehmer im Bereich der Wohnanlagen der Gemeinde Wien und bei Genossenschaften linear zu. Waren im Jahr 1969 etwa 18.000 Wohnungen an das Fernwärmenetz angeschlossen, so liegt die Anzahl heute bei 150.000 und beträgt somit mehr als das Achtfache. Darüberhinaus werden auch immer mehr Wohnungen für die Versorgung mit Fernwärme vorinstalliert. Ihre Anzahl beträgt derzeit ca. 71.000. Etwa 23.000 davon sind bereits angeschlossen, was einem Anteil an der Gesamtzahl aller mit Fernwärme versorgten Wohnungen von etwa 32 % entspricht. Durch diese Zuwächse erreicht das Unternehmen im Bereich Raumheizung einen Marktanteil von ca. 26 %. Über 50 % der Kundenobjekte werden zusätzlich zur Raumheizung auch mit Warmwasser versorgt. Konkret handelt es sich dabei um ca. 73.000 Wohnungen.

Der Zuwachs bei Großabnehmern

Ab dem Jahr 1969 hat sich im Bereich der öffentlichen Gebäude sowohl des Bundes als auch der Gemeinde die Versorgungssicherheit durch den Anschluß an die Fernwärme verbessert. Dies betrifft Gebäude wie Schulen und Amtshäuser, ganz besonders aber Spitäler. Derzeit beträgt die Anzahl der angeschlossenen Großabnehmer über 3000.

Aber nicht nur Wohnungen, Betriebsstätten oder historische Gebäudekomplexe wurden an die Fernwärme angeschlossen, auch die Gärtnereibetriebe in Simmering, Albern und Schwechat heizen seit 1995 ihre Glashäuser nicht mehr mit Heizöl schwer, sondern mit Fernwärme.

Der Ausbau des Fernwärmenetzes

Das Leitungsnetz der Fernwärme Wien ist ein wesentlicher Faktor für eine optimale Energieversorgung der Stadt. Im Jahr 1969 hatte dieses Netz eine Länge von ca. 26 Kilometern. Heute, 27 Jahre später, weist das Fernwärmenetz primär- und sekundärseitig eine Länge von 710 Kilometern auf. In den Jahren seit 1969 wurden laufend Großprojekte geplant und errichtet. Folgende seien als wichtigste genannt: die Verbindungsleitungen vom Arsenal zur Per-Albin-Hansson-Siedlung und vom Heizwerk Kagran zum Heizwerk Großfeldsiedlung, die Erweiterung einer Pumpstation bei der Reichsbrücke (dadurch konnte die Kraft-Wärme-Kopplung Simmering noch besser ausgenutzt werden) und der Ausbau des Leitungssystems im Süden Wiens zum Franz-Josef-Spital und zum Schöpfwerk.

Es wurden im Großkundenbereich folgende Objekte angeschlossen: die Hofburg, die Nationalbibliothek, die Staatsoper, das Stadthallenbad, das AKH, das ORF-Zentrum, Zentralwerkstätten der Wiene Verkehrsbetriebe, das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und das Hauptgebäude der Universität Wien, um nur einige zu nennen.

Die Personalentwicklung

Um das Unternehmen angesichts des in den Jahren seit 1969 fortschreitenden Wachstums ordnungsgemäß führen und einen reibungslosen Ablauf des Betriebes garantieren zu können, war in diesem Zeitraum eine wesentliche Erweiterung des Personalstandes vonnöten. Sorgten im Jahr 1969 20 Arbeiter und 10 Angestellte durch ihre Arbeitskraft und Leistungsbereitschaft für den Erfolg des Unternehmens, so sind heute bereits 359 Arbeiter und 466 Angestellte damit beschäftigt, die Zielsetzung des Unternehmens, nämlich seinen Kunden ein Maximum an Leistung und Komfort zu bieten, auch weiterhin in die Tat umzusetzen.

Die Müllverbrennungsanlage

Im Jahr 1971 ging die Müllverbrennungsanlage Spittelau in Betrieb. 14 Jahre später wurde in der Müllverbrennungsanlage Flötzersteig mit dem Einbau einer Rauchgasreinigungsanlage begonnen. Nachdem diese erfolgreich in Betrieb genommen worden war, erfolgte auch der Einbau einer solchen Anlage in der Spittelau. 1987 wurde die Müllverbrennungsanlage Spittelau durch einen Brand teilweise zerstört. Im gleichen Jahr wurde daher mit dem Bau einer neuen Rauchgasreinigungsanlage begonnen, einer Anlage, die dem neuesten Stand der Technik entsprach. Zusätzlich wurde die Müllverbrennungsanlage mit einer DeNOx-Anlage ausgestattet. Diese für die Umweltauslastung so wichtige Einrichtung nahm noch im Jahr 1987 ihren Probebetrieb auf. Aber nicht nur die Technik stand im Mittelpunkt, auch auf die Gestaltung des Fernheizwerkes wurde großer Wert gelegt. Durch die von Meister Friedensreich Hundertwasser gestaltete Fassade wurde die „Spittelau" zu einem Wahrzeichen der Stadt. Die beiden Müllverbrennungsanlagen entsorgen heute 54 % des in Wien anfallenden Abfalls (Abfall besteht aus Müll und Altstoffen). Dies entspricht einer Masse von ca. 450.000 Tonnen und einem Müllvolumen von 600.000 Kubikmetern.

Um dem Umweltbewußtsein der Bürger zu entsprechen und den Ausstoß an Abgasen für die Öffentlichkeit kontrollierbar zu machen, wurde für die Müllverbrennungsanlage Spittelau eine Anzeigetafel auf dem Lichtenwerderplatz, für den Flötzersteig eine weitere am Joachimsthalerplatz aufgestellt. Ihnen kann man die laufend gemessenen Emissionswerte der beiden Anlagen entnehmen. Insgesamt haben die Rauchgasreinigungsanlagen die Emissionen um 90 bis 99,9 % - je nach Schadstoff - reduziert.

Der Wärmeverbund

1972 wurde der mit der Republik Österreich getroffene Wärmelieferungs-Rahmenvertrag über den Anschluß von Bundesgebäuden an das Fernwärmenetz abgeschlossen. Zwei Jahre später erfolgte die geplante Ringschließung um die Innenstadt. Beim Neubau der Reichsbrücke wurde ein Kollektor eingebaut, der es ermöglichte, mit den Fernwärmeleitungen problemlos die Donau zu überqueren und im Bereich der UNO-City den Zusammenschluß mit dem Kagranernetz herzustellen.

Im Jahr 1984 wurde im Heizwerk Arsenal der dritte Heißwasserkessel in Betrieb genommen. Drei Jahre später wurde auch das Gasturbinenkraftwerk in der Leopoldau eröffnet. In diesem Werk wurde ein zusätzlicher, gasbefeuerter Heißwasserkessel als Ausfallreserve installiert, der 1988 in Betrieb ging. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Wärmeleistung sämtlicher Erzeugungsstätten der Fernwärme Wien über 1.792 Megawatt.

Im Zuge der Erweiterung des Leitungsnetzes konnten bis Ende 1988 alle Blockheizwerke stillgelegt werden. An ihrer Statt wurde die Wärmeversorgung über das Fernwärmeverbundnetz aufgenommen. 1989 wurden von den 299 in Betrieb stehenden Hauszentralen nur noch 14 mit Heizöl leicht befeuert.Der Block 3 des E-Werkes Simmering konnte nach dem Probebetrieb im Jahr 1994 mit seiner vollen Leistung in Betrieb gehen. Das neunte Fernheizwerk, das Werk „Süd", speiste 1995 erstmals seine Wärme in das Verbundnetz ein. Heute beträgt die installierte Leistung der in das Verbundnetz einspeisenden Werke mehr als 2.500 Megawatt. Die Wärmelieferung wird zu 69 % durch den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungen und zu 27 % durch die thermische Müllverwertung abgedeckt. 4 % steuern Spitzenkessel bei, die mit Gas oder Öl betrieben werden.

Umweltschutz

Durch den verstärkten Einsatz der Fernwärme wurden die Luftschadstoffe erheblich reduziert. Durch die Substituierung der Öl- und Koksanlagen konnte in Wien eine Reduktion des Schwefeldioxidausstosses um rund 80.000 Kilogramm jährlich erreicht werden. Betrug die Schwefeldioxidbelastung für die Erzeugung von 1.400 Gigawattstunden 1979 ca. 6000 Tonnen, so wurden 1995 bei der Erzeugung von 3.900 Gigawattstunden nur noch ca. 200 Tonnen Schwefeldioxid emittiert.

Die Investitionen

Im Jahr 1995 investierte die Fernwärme Wien 1,5 Milliarden Schilling. Das ist das Fünfzehnfache der im Jahr 1969, dem Gründungsjahr der Fernwärme Wien, investierten Summe. Seit der Gründung summierten sich die Investitionen auf insgesamt 15,4 Milliarden Schilling. Ein Beweis für die wirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens.

Geht man davon aus, daß derzeit einem Jahresarbeiter auf der Arbeitnehmerseite durchschnittlich 1,000.000 Investitionsschillinge entsprechen, so kommt man auf 15.400 Jahresarbeitsplätze, die durch die Investitionstätigkeit der Fernwärme Wien erhalten wurden.

Die Zukunftsperspektiven

Bis zum Jahr 2005 wird ein jährlicher Zuwachs von ca. 180 Gigawattstunden prognostiziert. Voraussetzung dafür ist, daß die Neubautätigkeit in Wien - besonders im Wohnbau und im Bereich der damit verbundenen Infrastruktur - fortgesetzt wird und daß die Förderungen für die Substitution von Heizzentralen und Einzelofenheizungen weiterhin gewährt werden. Damit könnte der Marktanteil der Fernwärme von 26 % im Jahr 1995 auf 40 % bis zum Jahr 2006 ansteigen.

Die neue Fernwärmeleitung Süd-West

Das Fernwärmenetz zur Versorgung der südlichen und westlichen Bezirke ist bereits komplett ausgelastet. Um die zu erwartenden weiteren Zuwächse abdecken zu können, muß eine neue „Haupttransportleitung" vom neu errichteten Fernheizwerk Süd bis zum Knotenpunkt Anton-Baumgartner-Straße gebaut werden. Die neue Rohrleitung wird eine Länge von 4,2 Kilometern aufweisen.

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