Einleitung

1.4 Einschätzung der gegenwärtigen Lage


Endenergie wird überwiegend in Form von Wärme benötigt. Gemäß Energiebericht 1993 entfallen in Österreich vom gesamten Endenergieverbrauch 40% auf die Raumheizung und Brauchwasserbereitung und rund 24% auf die Prozeßwärmeerzeugung für industrielle und gewerbliche Produktionszwecke.

Die Fernwärmeproduktion der dem Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen Österreichs meldenden 42 Unternehmen konnte 1995 9577,0 GWh erreichen. Bei einem Fremdbezug von nicht i.R. der Fachverbandsstatistik erfaßten Industriebetrieben mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Höhe von 419,7 GWh betrug im Berichtsjahr die Wärmenetzeinspeisung 9996,7 GWh.

An Industrie, Gewerbe, öffentliche Gebäude und Haushalte wurden 8951,4 GWh abgegeben, gegenüber 7936,9 GWh noch ein Jahr zuvor. Der Fernwärmemarkt wuchs im Zeitraum 1989/1994 um etwa 5 % pro Jahr. Dieses Wachstum setzte sich 1995 überproportional fort. Der Wärmeverkauf an Industrie, Gewerbe, öffentliche Gebäude und Haushalte war 1995 um 12,8 % höher.

Dieser Zuwachs ist zum Großteil witterungsbedingt. Die Heizgradsummen stiegen 1995 um knapp 12 %. Überlagert wird der sich daraus ergebende höhere Fernwärmeeinsatz durch den positiven Effekt, der sich aus den Erfolgen bei der Ausweitung der Flächenversorgung ergibt.

Beim Brennstoffwärmeverbrauch für Wärmeerzeugung in vom Fachverband erfaßten Unternehmungen dominieren gasförmige Energieträger (47,7 %) und Erdölprodukte (33,4 %). Müll und Biomasse hielten zuletzt (1995) bei bereits 15,5 %. Und der Trend zur Biomassenutzung im insbesondere ländlichen Bereich hält weiter an. Erwähnenswert auch, daß die Wärmeerzeugung der dem Fachverband meldenden Unternehmen zu etwas über zwei Drittel aus KWK-Anlagen stammt.

Insgesamt wurden zuletzt (1994; seitens ÖSTAT lagen zum Zeitpunkt der Drucklegung der Kenndaten der Wärmeversorgungsunternehmungen keine aktuelleren Daten vor) im gesamten Bundesgebiet 306200 von 3051100 Wohnungen fernwärmeversorgt. Damit beträgt der Anteil der fernwärmeversorgten Wohnungen etwas über 10 %. Der höchste Anteil fernwärmeversorgter Wohnungen läßt sich naturgemäß in Wien feststellen. Hier werden bereits 17 % der bewohnten Wohnungen fernwärmeversorgt. In Oberösterreich und der Steiermark beträgt der Anteil der fernwärmeversorgten Wohnungen jeweils 12 %, in Salzburg 10 %. In Kärnten (8%), Tirol (4%), Niederösterreich (3%), Burgenland und Vorarlberg (jeweils 1%) liegt der Anteil der fernwärmeversorgten Wohnungen jeweils unter dem Bundesdurchschnitt.

Erwähnenswert auch, daß nach wie vor 57 % der vor 1919 erbauten Wohnungen mittels einzelner Öfen oder Heizgeräte beheizt werden. Mit jüngerem Baualter geht diese Heizungsform jedoch rasch bis auf 16 % für nach 1981 errichtete Wohnungen zurück und die Anteile von zentralbeheizten Wohnungen steigen rasch von einem Fünftel in Altbauten vor 1919 auf etwa 59 % in ab 1981 errichteten Wohnungen. In ab 1961 erbauten Wohnungen tritt auch die Fernwärmeversorgung stärker hervor. Ihr Anteil stieg bis auf 19 % in ab 1991 erbauten Wohnungen.

Die FW-Versorgungsunternehmen haben allerdings auch große Anstrengungen unternommen, Anschlußwilligen durch ausgefeilte technische und kostengünstige Installationssysteme sowie finanztechnische Maßnahmen die Entscheidung für die Fernwärme zu erleichtern.

Durch neueste Untersuchungen ist belegt, daß insbesonders Bevölkerungs-schichten mit höherem Bildungsniveau durchaus bereit sind auch einen finanziellen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Es ist daher zunehmend zu beobachten, daß die Entscheidung pro Fernwärme nicht mehr alleine mit dem Rechenstift oder aufgrund Komfortüberlegungen gefällt wird. Im gewerblichen Bereich sind natürliche ökonomische Überlegungen nach wie vor zumeist von ausschlaggebender Bedeutung.

Einen besonderen Aspekt der FW-Wirtschaft stellt die in den letzten Jahren zumindest zahlenmäßig massiv auf den Plan tretende Nutzung von Biomasse (zumeist Stroh oder Hackschnitzel) dar. Wenn auch energetisch insgesamt noch nicht besonders ins Gewicht fallend, zeigt diese Entwicklung bemerkenswerte Besonderheiten. Diese zumeist kleinen Anlagen im ländlichen Bereich sind nicht selten genossenschaftlich organisiert und weisen eine nur sehr lose Verbindung mit der traditionellen FW-Wirtschaft auf. Oft ist nicht einmal die Einbindung dieser Unternehmen ins Gewerberecht gegeben, was zu unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen führt.

Die Einschätzungen der zukünftigen Entwicklungen der FW-Wirtschaft aufgrund der vorliegenden Daten sind zwar durchaus positiv zu bewerten, wenngleich durch erschwerte Rahmenbedingungen eine weitere Entwicklung ständiger intensiver Anstrengungen bedarf, um die Vorzüge der Fernwärme entsprechend darzustellen und im Markt umzusetzen.

Die Energiesteuer auf Erdgas ist zwar als bundesweite Endverbrauchersteuer konzipiert und daher von der Höhe des Gaspreises unabhängig. Der Erdgaseinsatz für Wärmelieferungen wird aber zu einer Erhöhung der Wärmekosten beim Wärmeversorgungsunternehmen führen, die dem Kunden weitergegeben werden können.

Eine Studie des Fachverbandes der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen Österreichs ergab, daß bei Gasversorgung der derzeit mit Fernwärme versorgten Gebäude der jährliche Primärenergieaufwand für die Raumwärmeversorgung dieser Gebäude um knapp 40% höher gewesen wäre, im Falle des Wärmeversorgungspfades Heizöl sogar um 80%.

Die Orte Österreichs mit nennenswerter FW-Versorgung sind im Anhang dargestellt. Auf eine Darstellung der vielen kleinen Biomasseanlagen wurde der Übersichtlichkeit halber verzichtet.

Bemerkenswert ist die in östlicher Richtung stark zunehmende Dichte der FW-Versorgung. Dies ist nicht zuletzt auch auf den hohen Wasserkraftanteil bei der Stromproduktion im Westen zurückzuführen. Die FW-Branche ist zur Unterstützung der eigenen Bemühungen bestrebt, die in verschiedenen gesetzlichen Regelungen enthaltenen und für die Einführung der Fernwärme erschwerenden Bedingungen durch Gesetzesinitiativen abzuschwächen oder gänzlich zu beseitigen. Es bleibt zu hoffen, daß trotz Energiesteuer und Auslaufen der Fernwärmeförderung die zahlreiche politische Willenserklärungen nicht nur leere Hülsen bleiben.


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