Einleitung

1.2 Entwicklung der FW-Erzeugung


Die Fernwärme, ein Sekundärenergieträger wie die Elektrizität, wird in Österreich, wie auch international üblich, bevorzugt in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugt. Bedingt durch das Überwiegen der hydraulischen Elektrizitätserzeugung im Sommer kommen kalorische Kraftwerke besonders während der Wintermonate zum Einsatz, in denen die Wasserführung zurückgeht und der Elektrizitätsbedarf steigt. Aufgrund der niedrigen Außentemperaturen ist in diesen Monaten auch die Raumbeheizung notwendig, d.h. die zusätzliche kalorische Elektrizitätserzeugung ergänzt sich mit einem zu diesem Zeitpunkt anfallenden Raumwärmebedarf geradezu ideal. Es ist daher naheliegend, daß überall dort, wo wirtschaftlich vertretbar, die Koppelproduktion von elektrischer Energie und Wärme vorgenommen wird, wodurch eine wesentlich bessere Ausnutzung der Brennstoffe erzielt und der Primärenergiebedarf bei gegebenem Endenergieverbrauch gesenkt werden kann.

Wie eine Gegenüberstellung des Primärenergieverbrauches in den letzten Jahren zeigt, ist das Inlandsaufkommen an Primärenergie zwar stagnierend bzw. leicht fallend, aber die Importe sind seit 1970 nahezu auf das Doppelte gestiegen.

Will man diese Situation in Zukunft verbessern oder zumindest stabilisieren, ist eine optimale Nutzung aller Energieträger, nicht zuletzt durch verstärkte Anwendung der Kraft-Wärme-Kopplung, unumgänglich. Dies schließt auch die Biomasse als erneuerbaren heimischen Energieträger mit ein.

Optimale Nutzung der vorhandenen Energieträger bedeutet aber auch eine Berücksichtigung der ökologischen Situation bei der Energieversorgung und Energie anwendung. Auch hier bringt der Einsatz der Brennstoffe in zentralen Anlagen mit hohem Wirkungsgrad und geringen Emissionen und dadurch auch sehr geringen Beiträgen zu den lokalen Imissionen eine deutliche Verbesserung.

Nicht zuletzt die Ölpreisentwicklung führte dazu, daß die Fernwärme in den 70er Jahren sehr gute Zuwachsraten erreichte, und zwar rd. 10 % p.a. im Durchschnitt. In den 80er Jahren ging diese Zuwachsrate wohl auf 8-9 % zurück, blieb aber gegenüber den anderen Energieträgern auch in dieser Periode weiterhin bezüglich der Zuwachsraten führend: der Anteil der Fernwärme am energetischen Endverbrauch ist mit rd. 3,3% zwar nach wie vor relativ klein, betrachtet man jedoch die Entwicklung seit 1970, so sieht man, daß in diesem Zeitraum der Fernwärmeeinsatz verfünffacht wurde. Keiner der anderen Energieträger hat nur annähernd diese Zuwachsraten erreicht. Die erweiterte Wohnungserhebung im Mikrozensus Juni 1993 weist 288.000 Wohnungen oder knapp 10% als fernwärmebeheizt aus.

Der Zuwachs der Fernwärme ergibt sich zum einem aus

Wegen einer gleichbleibenden oder eher sinkenden Bevölkerungszahl in Österreich bzw. witterungsbedingt ist auf dem Wärmemarkt eine Sättigung zu erwarten, sodaß ein weiterer Zuwachs der Fernwärme nur dann erfolgen kann, wenn sie eine Chance im Wettbewerb gegen andere Energieträger hat.

Das Potential für die Fernwärme in Österreich wird in verschiedenen Quellen mit 22 - 25 % des Niedertemperatur-Wärmebedarfs angegeben, was einer Sättigung von etwa 80-90 PJ/a entspricht.

Die Wärmeerzeugungskapazität der österreichischen WVU setzt sich zusammen aus der Kapazität der eigenen Erzeugung und der vertraglich gesicherten Einspeisung anderer Wärmeerzeuger. Diese sind zum Teil selber WVU, zum Teil Unternehmungen der Elektrizitätswirtschaft mit Wärmeauskopplungs-möglichkeiten bei der thermischen Elektrizitätserzeugung. Zum Teil ist es die Industrie mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder Anlagen zur Abwärme-verwertung aus industriellen Prozessen (z.B. Ottakringer Brauerei). Ein kleiner Teil kommt von kommunalen Entsorgungsbetreibern, die auf diese Weise eine Möglichkeit haben, den Abfall energetisch zu verwerten.

Die Anlagen zur FW-Erzeugung erfuhren im Laufe der Zeit eine Reihe von Erweiterungen und Erneuerungen, von denen besonders die Rauchgas-reinigungsanlagen zur Verbesserung der Umwelt hervorgehoben werden müssen. Als Beispiel für eine Nachrüstung einer Altanlage sei hier auf die Entschwefelungsanlage in Salzburg (Heizkraftwerk, Mitte) verwiesen.

Mit dem weiteren Fortschreiten des Fernwärmeausbaus besonders in der Bundes-hauptstadt Wien erwies sich als zielführend, aus den Wärmekraftwerken der Elektrizitätswirtschaft Fernwärme auszukoppeln und in das Fernwärme-versorgungsnetz einzuspeisen. Aus dem Block 1/2 des Kraftwerks Simmering werden seit dem Jahr 1979 280 MW an Fernwärme ausgekoppelt (Entnahmedampfturbine). Ein weiterer Block 3/4 ist mit einer Kraft-Wärme-Kopplung mit einer Wärmekapazität von 350 MW ausgerüstet.

Zur Versorgung der Landeshauptstadt Graz wurde in Mellach eine Kraft- Wärme-Kopplungsanlage mit einer Wärmekapazität von 200 MW errichtet, die seit 1987 über eine 18 km lange Rohrleitung in das Grazer Fernwärmenetz einspeist. Das überwiegend mit polnischer Steinkohle befeuerte Fernheizkraftwerk ist mit einer Entschwefelungs- und einer Entstickungsanlage ausgerüstet.

Wärmeauskopplungen aus den nahe der Braunkohlevorkommen errichteten Kraftwerken Voitsberg, Riedersbach und Timelkam versorgen kleinere und mittelgroße Siedlungen. Doch auch hier wird in interessanten Lösungen heimische Energie dadurch noch bessser ausgenützt, daß diese Kraftwerke mit Wärmeentnahmen ausgerüstet wurden.

Neue Wege beschreitet man mit der Fernwärme-Auskopplung aus dem Gasturbinenkraftwerk Leopoldau in Wien, das ursprünglich als Spitzenkraftwerk diente. Nach einem vollständigen Um- und Zubau eines Abhitzekessels und einer Gegendruckturbine trägt es nun auch zur Wärmeversorgung der Stadt Wien bei. Die mit Erdgas befeuerte und mit einer Entstickungsanlage ausgestattete Anlage liefert Fernwärme aus dem Abdampf der Turbine, aus einer Anzapfung und aus einem Rauchgaskühler. Die Wärmeleistung beträt 170 MW, die elektrische Leistung aus Gas- und Dampfturbine rund 160 MW. Die Anlage fährt während des Winterhalbjahres als Grundlastwerk. Eine Fernwärmeerzeugung mittels einer Großwärmepumpe aus der städtischen Abwasserkläranlage ist in Klagenfurt seit Dezember 1988 in Betrieb. Bei einer Wärmeleistung von rd. 7 MV beträgt ihr elektrischer Anschlußwert 3,6 MW.

Als neue Brennstoffbasis für die Fernwärmeerzeugung kommt Biomasse zum Einsatz (Stand 1995: 255 Anlagen mit einer installierten Leistung von 376 Megawatt). Abfälle und Nebenprodukte aus der Land- und Forstwirtschaft sowie aus der weiterverarbeitenden Industrie (z.B. Sägenebenprodukte) werden überwiegend in Fernheizwerken genutzt. Es handelt sich dabei meist um kleinere Fernwärme-versorgungen im ländlichen Bereich mit Leistungen bis zu einigen wenigen MW.

Besonders Hackschnitzelheizungen im Leistungsbereich von einigen hundert Kilowatt sind häufig mit Wärmeverteilnetzen ausgestattet und versorgen mehrere Objekte mit Wärme. Teilweise sind auch gewerbliche Betriebe, Schulen und öffentliche Gebäude angeschlossen. Für kleinere Anlagen finden meist Unterschub- und Vorofenfeuerungen Verwendung, bei größeren Anlagen auch Rostfeuerungen.

Neben Anlagen mit Holzhackschnitzel als Brennstoff sind auch Strohfeuerungs-anlagen in Verwendung. So wird in Seibersdorf eine 2,2 MW-Strohverbrennungs-anlage betrieben, die etwa 100 ländliche Wohnhäuser und einige andere Objekte mit Wärme beliefert.

Mit 1. Jänner 1989 ist das Luftreinhaltegesetz für Kesselanlagen (LRGK) in Kraft getreten. Abgestuft nach der Brennstoffwärmeleistung (BWL) der Anlagen sind in der dem Gesetz zugeordneten Luftreinhalteverordnung (LRV) Abgaberaten für die mit den Rauchgasen emittierten Stoffe Staub, SO2, CO und NOx enthalten.


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