Einleitung

1.1 Historischer Rückblick


Das erste Fernheizkraftwerk (FHKW) im kommunalen Bereich wurde 1949 in Klagenfurt errichtet. Da in Österreich keine staatliche Initiative (wie in einigen Ländern Westeuropas oder in den Oststaaten) besteht, ging die Entwicklung der Fernwärme anfangs sehr langsam vor sich. 1950 wurde in St. Pölten ein Fernheizwerk (FHW), 1955 in Salzburg ein FHKW und 1956 in Baden ebenfalls ein FHW gebaut. Außerdem gab es zu diesem Zeitpunkt bereits größere Heizzentralen im Arsenal und in der Hofburg in Wien.

1957 waren in folgenden Städten Fernwärmeanlagen in Betrieb:

StadtWärme-Engpaßleistung
Klagenfurt58 MW
Salzburg47 MW
St. Pölten22 MW
Baden8 MW
Wien: Arsenal40 MW
Wien: Hofburg4 MW

In Summe stand also zu dieser Zeit eine thermische Leistung von ca. 1290 MW zur Verfügung. Die Wärmeabgabe betrug damals 260 GWh. 1959 wurde in Wels ein FHKW errichtet, 1962 folgte Mödling, 1964 bekam Graz ein FHKW, 1966 wurde in Linz mit dem Bau der Hochschule in Dornach begonnen. Zur Beheizung dieses Areals und der angrenzenden Wohnbauten wurde das Heizwerk Dornach errichtet. 1967 ging in Linz das FHW Bindermichl mit 7 MW in Betrieb, 1968 kam das Heizwerk (HW) Harter Plateau dazu. Mit diesen Anlagen stieg eine Tochter einer internationalen Öl-Gesellschaft in das Fernwärmegeschäft ein. In Pinkafeld und St. Pölten wurden weitere FHKW gebaut.

In den Jahren 1959 bis 1969 erhöhte sich die Wärme-Engpaßleistung der FW-Anlagen auf 570 MW und die Länge der Hauptleitungen betrug am Ende dieser Periode 150 km. Die Wärmeabgabe hatte sich bereits auf über 1000 GWh gesteigert.

1970 wurde in Linz mit der Errichtung eines FHKW begonnen. Im selben Jahr wurde in Wien das FHKW Spittelau in Betrieb genommen. Als Brennstoff wurde ab 1971 vorwiegend Müll eingesetzt. Mit dem Bau dieses Kraftwerks wurden 1969 die Heizbetriebe Wien gegründet. Ihnen wurden die bis zu diesem Zeitpunkt von der Magistratsabteilung 32 verwalteten Heizzentralen eingegliedert. In den Orten Riedersbach und Kufstein wurden ebenfalls FHKW errichtet und kleinere FW-Netze in Betrieb genommen.

1975 wurde von den Wiener E-Werken ein neuer Kraftwerksblock errichtet, der auch mit einer Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ausgestattet wurde. Ab 1979 stand die KWK Simmering als dritte Einspeisestelle an das zwischenzeitlich errichtete Verbundnetz zur Verfügung. Als wesentliche Marktsteine der letzten Jahre sind die Errichtung des FHKW Mellach mit dem Bau der 18 km langen Transportleitung nach Graz, die Umrüstung des Gasturbinen-Kaftwerkes Leopoldau der Wiener E-Werke sowie die Installierung einer Großwärme in Klagenfurt zu nennen.

Obwohl die rasante Entwicklung der Fernwärme in Wien natürlich jene im übrigen Österreich deutlich überlagert, ist festzustellen, daß sich ab den 70er Jahren die Entwicklung generell beschleunigte.


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